Was zeigt uns das Ganze ?

Erstens ist dieses Arbeiterdorf nicht in der Lage, jemanden aus seinen eigenen Reihen zum Bürgermeister zu machen. Das hängt wohl damit zusammen, dass man eben dieses Obrigkeitsdenken an den Tag legt, obwohl dieses Beispiel zeigt, dass Leute, die studiert und einen guten Beruf innehaben, nicht automatisch die geeigneteren Leute sind. Ich würde sogar sagen, ganz im Gegenteil.
Jemand, der am Existenzminimum knabbert, hat wohl weit weniger Fürze im Hirn als jemand, der sich auf der sicheren Seite wähnen kann und nicht aufs Geld zu gucken braucht. Zweitens spielt der Neidfaktor eine nicht unerhebliche Rolle. Was einem selbst nicht vergönnt ist, gönnt man auch keinem anderen aus der gleichen Schicht.

Dabei könnte es ja durchaus sein, dass gerade so jemandem, dem die Sorgen und Nöte vertraut sind, die Anliegen seiner Bürger wichtiger wären als die wirtschaftlichen Interessen bestimmter Gruppen und er infolgedessen nicht ausschließlich auf die „Tourismuskarte“  setzen und neue Wanderwege, oder nennen wir sie aufgrund ihrer Breite ruhig Autobahnen, durch den Wald ziehen ließe.


Des weiteren zeigt es auch das Ausmaß des Filzes. Es ist ja nun nicht bei dieser Familienbande geblieben, sondern die Steigbügelhalter des Bürgermeisters profitierten durchaus auch von den Machenschaften. So zum Beispiel ein Malermeister hier im Ort, der in schöner Abwechslung mit einem Kartonagenfabrikaten nach jeder Kommunalwahl entweder 2. Bürgermeister oder 1. Abgeordneter war und dem dadurch alle Aufträge öffentliche Malerarbeiten betreffend zugeschustert wurden.
Mittlerweile hat sein Neffe das Geschäft übernommen und ich weiß genau, dass er mit Abstand der teuerste von 3 Malern hier im Ort ist und es geht einfach immer weiter so.

Bei Bauarbeiten verhält es sich ebenso. Vielleicht sollte man beim Sparen einmal damit anfangen. Aber mir scheint das ganze System mafiaähnliche Strukturen zu haben, mit dem kleinen Unterschied, dass bisher noch nicht geschossen wurde. Da geht der Deutsche etwas subtiler vor.


Für den Filz kann ich noch 2 weitere Beispiele nennen, wobei ich in einem Fall selbst betroffen war. Vor Jahren gab es hier eine Ausschreibung für eine Stelle, für die jemand gesucht wurde, der die kommunalen Liegenschaften betreut. Voraussetzung waren fundierte Kenntnisse in MS-Office. Da ich gerade in einer Weiterbildung in diesem Bereich war, habe ich mich für die Stelle beworben.
Am Ende wurde sie vom Schwiegersohn des ortsansässigen Baulöwen besetzt, der direkt von der Baustelle dafür rekrutiert wurde und mit Sicherheit soviel Ahnung von MS-Office hatte, wie eine Kuh vom Schachspielen.
Bei einem ehemaligen Bandkumpel verhielt es sich ähnlich. Um als Gemeindearbeiter eingestellt zu werden ist eine abgeschlossene Ausbildung in einem handwerklichen Beruf Voraussetzung. Mein Kumpel konnte diese vorweisen, der Vorstand des Musikvereins nicht, als Ausgleich für die fehlende fachliche Qualifikation dafür aber so ca. 50 kg Übergewicht.
Ich muss wohl nicht erwähnen, wer die Stelle bekommen hat. Genau der fette Schlafapnoepatient, der dann noch frühverrentet wurde und sich heute einen Lauen machen kann.